AS ZONE:

Biographie von Andrzej Sapkowski


Neue Enzyklopädie des Polnischen Wissenschaftsverlages
[Band 5, Seite 744]
Sapkowski, Andrzej (geb. 1948), Schriftsteller, vom Beruf Volkswirt; 1972-94 Mitarbeiter im polnischen Außenhandel; Autor der Erzählungsbände ("Wiedzmin" (Der Hexer) 1990, "Miecz przeznaczenia" (Das Schwert der Vorsehung) 1992, "Ostatnie zyczenie" (Der letzte Wunsch) 1993), sowie des Romans "Krew elfow" (Das Blut der Elfen) (1994). Texte gehalten in der Konvention der Fantasy und Sci-Fi, knüpfen an die Poetik des Schwarzen Kriminalromans sowie an die Mythen und Legenden, die vielen Kulturkreisen gemeinsam sind.

Der Herr, Schultheiß und Pfarrer
[Fenix 1(10)/1992]
Mit Andrzej Sapkowski spricht Andrzej Sapkowski
Der Verfasser von "Tandaradei" hat die ihm gewidmeten, von scheinbar inkompetenten Leuten zubereiteten Biographienoten sichtbar satt. Er hielt es also nicht aus und hat ein Interview mit sich selbst geführt. Da wir meinen, daß Sapkowski am besten den Sapkowski kennt und am besten weiß, wonach man zu fragen hat, reichen wir das Interview nach, ohne auch ein Komma zu ändern.

- Wer sind Sie überhaupt? Alter, Beruf, Familienstand - in der Reihenfolge, bitte.
- Dreiundvierzig, Außenhandelskaufmann, verheiratet.
- Als wer wollten Sie leben?
- Als Herr, Schultheiß und Pfarrer. Die Pfarrei soll nach Möglichkeit unweit der Straße Scheidemühl-Walcz liegen.
- Tierkreiszeichen?
- Was würden Sie erwarten?
- Zwillinge?
- Logisch.
- Ihr literarisches Werk?
- Keines.
- Wie denn das? Sie haben doch schon veröffentlicht. In Fantastyka, irgendwelche Fantasy.
- Fragen Sie noch mal.
- Ihr literarisches Werk?
- Ich habe schon veröffentlicht. In Fantastyka, irgendwelche Fantasy.
- Warum Fantasy? Kann man annehmen, daß Sie klassische Sci-Fi nicht schreiben können?
- Man kann.
- Woran liegt der Unterschied zwischen Fantasy und einer Fabel oder Märchen?
- An dem ausgebauten Dialog.
- Womit kann man das Rätsel erklären, daß die Leser, wie berichtet wird, Ihre Texte gerne lesen?
- Mit ausgebautem Dialog.
- Ich verstehe nicht.
- Die Fantastyka hat ein äußerst schlechtes Druckbild und eine noch schlechtere Spaltenverteilung. Einen Blocksatz kann man da kaum lesen; aber die Dialoge werden da leichter vom Auge erfaßt, gefallen unterschwellig besser.
- Denken Sie überhaupt?
- Ja.
- Wollen Sie dazu noch etwas anmerken?
- Nein.

Sapkowski stellt Sapkowski vor
[Komiks 2(20)/1993]
Andrzej Sapkowski, der As der polnischen Fantasy, ist, unter dem Zeichen der Zwillinge, verdammt lang her geboren. In allen Tätigkeiten, Beschäftigungen und Berufen, die er in seinem Leben ausgeübt hat, galt er immer als enfant terrible. Der Fantastik hat er sich leider sehr spät angenommen, zu spät, um für die Liebhaber der Gattung, die sog. Fans, als etwas Anderes, als ein verkalkter Greis, zu gelten. Sapkowski nimmt aber die Meinung des sog. Fandoms nicht zu Kenntnis, da er den besagten Fandom für eine Art Schachtelhalmpflanzen- und Bärlappsprossenanbetungsverein hält, d.h. für eine Gruppierung, die in ihrer Bedeutung für das Land und die Menschheit weit hinter dem Gefiederten Kleintierzüchterverein zurückbleibt. Es geistert eine Meinung herum, daß Sapkowski deswegen Fantasy schreibe, weil er nichts Anderes schreiben könnte. Noch andere Leute behaupten, Sapkowski suche in der Fantasy nach der Flucht von der Realität, die auf ihn erschreckend wirkt. Es gibt auch Stimmen, Sapkowski hätte eine leichte Schizophrenie und er glaube tief an die Zauberei, Vampiren, Drachen und Knochenheuer, kurzgefaßt, er beschreibe eigene Halluzinationen. Es gibt auch eine recht mächtige Gruppe von Leuten, die meinen, Sapkowski schreibe nur für das Geld, denn er sei über jedes Vorstellungvermögen hinaus gierig und geizig. In der letzten Zeit hörte man Stimmen, die dazu geneigt waren, das Werk von Sapkowski für einen ungeschickten Versuch zu halten, diversen und mannigfaltigen, ledigen und sogar verheirateten Frauen zu imponieren. Da der Autor selbst einen Kommentar zum Wahrheitsgehalt der obigen Meinungen abgelehnt hat, haben sich der Sache auch die ernsten Kritiker der phantastischen Literatur angenommen. Sie brachten dabei keinerlei ernste Ergebnisse zutage, außer, sie nannten den Sapkowski einen Postmodernisten. Der Schriftsteller fühlte sich von dieser Bezeichnung beleidigt und gab bekannt, seine sexuellen Präferenzen seien seine private Angelegenheit; und wer ohne Schuld sei, der möchte, bitte, den ersten Stein werfen. Wenn wir schon bei Präferenzen sind, ist vom Autor des "Der Hexer" und "Der Weg ohne Wiederkehr" bekannt, daß er unter den Tieren die Katzen vergöttert, unter den Blumen den Blumenkohl, und von der Lektüre - in der letzten Zeit - die Graffitos an den Häuserwänden. Die Liste der Sachen, die er nicht mag, ist zu umfangreich, um sie irgendwo anzugeben. Erschwerend kommt hinzu, daß die Liste auch noch ständig wächst.

P.S. Gefragt, was er über die Tatsache denke, daß man ihm aufgrund seiner Initiale den Beinamen As verliehen habe, antwortete er, er sei überglücklich, denn nur durch Zufall heiße er nicht Arnold Roland Sylvester Calmar-Hacke

Andrzej Sapkowski
Berlin, Oktober 1992


(Translation 06.1998 by Peter Jakubowski)
-----------=====-----------
© '98 by John MacKanacKy (aka Jacek Suliga)
mkk@sapkowski.fantasy.art.pl